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Sozialpädagogisches Selbstverständnis

Der Vorgeschichte verpflichtet

Der VSP ist hervorgegangen aus einem Modellprojekt des "Instituts des Rauhen Hauses für Soziale Praxis" aus Hamburg, das einerseits die Unterstützung des Aufbaus einer Jugendhilfestruktur in freier Trägerschaft und andererseits den Aufbau flexibler Jugendhilfe-Organisationen zum Ziel hatte. Ergebnis dieses Modellprojekts war unter anderem die Gründung von fünf Jugendhilfestationen in Mecklenburg-Vorpommern, in denen Erziehungshilfeleistungen aus einem Team heraus erbracht werden. Sie wurden vom VSP übernommen und in eigener Regie weiter betrieben.

Im Sinne dieses Gründungsauftrags innovativ zu bleiben, neue Herausforderungen anzunehmen, uns an Unbekanntes heran zu wagen, bleibt Anspruch des VSP.

Subjektorientierung

Kennzeichnend für Jugendhilfestationen und für die Philosophie des VSP ist die konsequente Subjektorientierung. Sie gewährleistet, dass grundsätzlich erst die Ressourcen, Kompetenzen, Probleme, Belastungen der Klientinnen und Klienten gesehen werden und dann die Maßnahmen. Maßnahmen werden also nicht von vornherein vorgehalten, sondern mit Blick auf ihren spezifischen Beitrag, den sie zur Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen, der Eltern leisten können, bewertet und erst dann bereit gestellt bzw. zugeordnet.

Unterschiedlichen Handlungsstrategien miteinander verbinden

Subjektorientierung verlangt, sich hinsichtlich der einzuschlagenden pädagogischen Strategie nicht auf eine Richtung festzulegen. Vielmehr sind unterschiedliche Strategien miteinander zu kombinieren bzw. zeitweise in den Vordergrund, zeitweise in den Hintergrund zu rücken. Dies gilt nicht nur für die Hilfen zur Erziehung im engeren Sinne, sondern auch für die Verknüpfung von präventiver offener Jugendarbeit mit den einzelfallorientierten Hilfen.

Lernende Organisation

Subjektorientierung ist nur zu realisieren, wenn die Organisation sich als lernend versteht und Anpassungsprozesse institutionalisiert. "Das einzig Stetige ist der Wandel" - das ist die Maxime, nach der sich auch der VSP richtet. Insofern werden nicht einfach neue Angebote entwickelt und angedockt, sondern Innovationen werden in das bestehende Team integriert und von ihm aufgenommen. Angebotsentwicklung steuert so auch immer die Team- und Personalentwicklung ProfessionalitätSubjektorientierung und Lernende Organisation können wir nur realisieren, wenn die Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen sich an professionellen Standards orientiert. Fallverstehen, pädagogische Interventions- / Förderplanung, individuelles Begründen des eigenen Handelns, Netzwerk- und Gemeinwesenorientierung, Qualitätssicherung, Evaluation und Kooperation etc. sind Ansprüche, die unsere Mitarbeiter /-innen verinnerlicht haben und umsetzen.

Qualitätsbewußtsein und Qualitätssicherung

Qualität in personenbezogenen Dienstleistungen resultiert aus zwei scheinbar widersprüchlichen Quellen: Einerseits aus der Qualität der einzigartigen Beziehungen, die im pädagogischen Prozess eingegangen werden und andererseits aus der intersubjektiven Überprüfbarkeit des pädagogischen Handelns. Professionelle Pädagogik berücksichtigt also die Einzigartigkeit der beteiligten Personen, darf aber gleichzeitig nicht von Willkür oder Zufall abhängen. Daher wird im VSP kollektives Fallverstehen verankert und pädagogisches Handeln gemeinschaftlich geplant und ausgewertet. Für die einzelnen, regelhaft wiederkehrenden Prozeduren entwickeln wir Standards, an die wir uns halten.

Über die Jugendhilfe hinaus denken

Im gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachtet verlängert sich die Lebensphase Jugend, im Zusammenhang mit Jugendhilfe besteht dagegen die Gefahr, auf den Zeitpunkt der Beendigung von Jugendhilfe-Maßnahmen mit der Volljährigkeit zu orientieren. Im VSP wird das professionelle Engagement, wird die pädagogische Orientierung von einer gesellschaftlichen Perspektive her begründet: Jederzeit ist uns klar, dass die von uns betreuten Kinder und Jugendlichen in naher Zukunft erwachsen werden und dann Verantwortung als Bürgerinnen und Bürger, als Eltern und Berufstätige wahrnehmen (müssen). Unser Bemühen berücksichtigt dies und konfrontiert daher die Kinder und Jugendlichen mit Rollenerwartungen, die sich aus der Welt der Erwachsenen und der Gesellschaft an sie ableiten.

Burn-out vorbeugen

Burn-out ist der natürliche Widersacher der professionellen Pädagogik. Sinnverlust erzeugt Streß und Unzufriedenheit. Sarkasmus, Zynismus sogar Krankheit können entstehen. Im VSP beugen wir vor. Steter Wandel, immer neue individuelle Aufgabenschwerpunkte, Herausforderungen durch Teamwechsel, geplante und gewünschte Fortbildung sind bei uns institutionalisiert. So erhalten wir Motivation und Engagement auch in schwierigen Zeiten, denn immer wieder rücken wir die Möglichkeiten und Chancen anstatt die Einschränkungen und Ärgernisse in den Mittelpunkt.

Kooperation pflegen

In der Jugendhilfe lassen sich Probleme nur kooperativ lösen, denn komplexe Bedingungsgefüge, multidimensionale Ursachenbündel sowie Vielschichtigkeit in den einzuschlagenden Handlungsstrategien übersteigen die Möglichkeiten einzelner. Insbesondere das Kooperationsverhältnis von öffentlichen Trägern und dem VSP als freiem Träger wird von daher durch uns besonders beachtet und gepflegt. Dabei respektieren wir unterschiedliche Rollen und unterschiedliche Perspektiven. Sie verhindern aber nicht die Kooperation, sondern machen sie fruchtbar und besonders notwendig.

„Die Lebenskraft eines Zeitalters liegt nicht in seiner Ernte, sondern in seiner Aussaat.“

Ludwig Börne (1786-1837),
dt. Schriftsteller u. Kritiker