
„Sozialraumorientierte Familien- und Jugendarbeit“
Gefördert aus Mitteln des BMFSFJ
"SoFJA" geht davon aus, dass der Schlüssel für eine Verbesserung der sozialintegrativen Leistungsfähigkeit der Jugendhilfe eine konsequente und kontinuierlich angelegte Netzwerkarbeit aller Akteurinnen und Akteure in lokalen Nahräumen ist. Dieser im "EundC-Programm" formulierten Grundmaxime einer ressourcenmobilisierenden „sozialen Koproduktion“ zur Verbesserung der Lebensbedingungen und Chancen von Kindern und Jugendlichen trägt das Modellprojekt durch sein Rahmenkonzept einer sozialräumlichen Vitalisierung (sovit) Rechnung.
Einen besonders hohen Stellenwert in diesem Konzept nimmt der Bereich der primären Netzwerkarbeit ein (Eltern, Geschwister, Verwandte, Nachbarn, Freunde, Peers etc.). Insbesondere der Arbeit an den familialen Strukturen kommt eine herausragende Bedeutung zu. Hier liegen Faktoren, die die soziale Desintegration Jugendlicher auslösen und vor allem "stabilisieren".
Daraus ergibt sich zwingend, dass die Helferinnen und Helfer das Gesamtsystem Familie erreichen und bearbeiten müssen, um die Basis für den Erfolg weitergehender Hilfen etwa zur Integration der Zielgruppe in Ausbildung und Arbeit zu schaffen.

Zu diesem Zweck will SoFJA im Rahmen sozialräumlicher Vitalisierungsarbeit eine zur Zeit nicht stattfindende Kooperationsbeziehung zwischen sehr unterschiedlichen Konzeptionen bzw. Institutionen erreichen: auf der einen Seite die Mobile Jugendarbeit als klassisch sozialarbeiterischer Handlungsansatz und auf der anderen Seite die von ihrem Selbstverständnis her beratend-therapeutisch orientierte, aufsuchende Familientherapie.
So sollen möglichst hohe und nachhaltige Synergieeffekte bei der Sozialen Integration insbesondere von „Multi-Problem-Jugendlichen“ und ihren Familien erreicht werden. Es spricht einiges dafür, dass gerade ein konsequent sozialräumlicher Handlungsansatz und die Verbindung dieser beiden verschiedenartigen Handlungsansätze einen ganz wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Sozialen Integration sozial desintegrierter Jugendlicher leisten kann.

Erfahrungen und Ergebnisse (Sachbericht 2005)
Die Arbeit im Projekt bestätigte, dass Familien in kürzerer Zeit als durch andere Hilfen dazu befähigt wurden, ohne weitere professionelle Unterstützung ihr Leben selbständig zu gestalten. Die flexible Zusammensetzung des Tandem-Teams beförderte das Projektziel des Gegenseitig-von-einander-Lernens. Uns ist aufgefallen, dass es in Beratungssituationen des Tandem-Teams durch die intensive Zusammenarbeit der Berater möglich war, Grenzziehungen der Klienten zu übertreten. So etwas ist in Einzelberatungen kaum möglich, ohne die Kooperationsbereitschaft der Klienten zu gefährden. Durch den Team-Charakter konnten diese Grenzübertretungen adäquat kompensiert werden. Das führte letzten Endes zu einer dynamischen und effektiven Beratungssituation.
Die im letzten Bericht geschilderten Erkenntnisse bezüglich des sozialräumlichen Bedarfs der Schweriner Jugendlichen wurden bestätigt, insbesondere die Verarmung der Zielgruppe und die weitere Reduzierung des Angebots.
Zur Ergänzung von SoFJA wurde in Ermangelung von etabliertem Streetwork ein sozialräumliches Angebot geschaffen, was auf Spiel- und Öffentlichen Plätzen einfach die Anwesenheit von engagierten Erwachsenen schaffen sollte. Sowohl Eltern als auch Kinder und Jugendliche sollten diese Ansprechpersonen auf den Spielplätzen ansprechen können bei Fragen, Hilfestellungen oder Interessen. Dieses Projekt wurde vom VSP in Zusammenarbeit mit SoFJA aufgebaut und mit dem Namen „Spielplatzassistenz“ versehen. Dazu wurden neun Erwachsene über 1-Euro-Jobs eingestellt. Jedem dieser Mitarbeiter wurde ein bestimmter Spielplatz zugewiesen, an dem bestimmte Präsenz-, Beobachtungs- und Kontaktaufgaben zu lösen waren. Der Grundgedanke dieser Idee bestand in einem Beziehungsangebot mit Ansätzen der Gemeinwesenarbeit für junge Leute. Aus dem Projekt heraus entstand sogar die Gestaltung eines Festes für Jugendliche auf einem bisher gemiedenen Platz. („Action auf dem Platz“) Die Anleitung der Mitarbeiter erfolgte durch einen SoFJA-Mitarbeiter. Die Zusatz-Jobler wurden in Kommunikation und Konfliktbewältigung geschult. Diese Maßnahme endete fristgemäß. Erstaunlich war das Engagement der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Die direkte Kontaktaufnahme zu Jugendlichen gelang nur bedingt. Bei einer nächsten Laufzeit des Projekts muss ganz sicher die Verteilung der Personen und Aufgaben anders gelöst werden.
Die im letzten Bericht als beendet beschriebenen sozialräumlichen Projekte wurden wieder installiert und konnten für die Arbeit in SoFJA gut genutzt werden: Eine Jugendclique in der Innenstadt hat mehrere Anwohner belästigt, die das Jugendamt eingeschaltet haben. SoFJA bekam den Auftrag, sich um Kontakte und Vermeidung weiterer Eskalation zu kümmern. Mit den Jungen der Schule Pädagogium konnte ein Seminar für Jungen durchgeführt werden: "Sich durchs Leben boxen".
Der Austausch mit den anderen Modellstandorten erbrachte neue Ideen und Anregungen für die Schweriner Mitarbeiterz.B. In Glauchau bestand ein manifestes Interesse und Verständnis des Bürgermeisters sowie seiner Fachkräfte am Projekt. Das bedeutete für SoFJA Schwerin, dass Politik und Öffentlichkeit für das SoFJA- Projekt mehr interessiert werden sollten - z.B. mit einer Fotoausstellung. Daran arbeitet SoFJA in nächster Zeit.
SoFJA - Konzeption als PDF-Datei
SoFJA - Organigramm als PDF-Datei