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Boyz & BOX-Instructor





 

Seminar für Jungen

 
1. Ausgangslage hinsichtlich des Themas

Jungen und junge Männer werden in Familie, Schule und Öffentlichkeit in vielfachen Zusammenhängen als Täter, Verursacher von Gewalt, Zerstörung und Unfrieden dargestellt und erlebt. Wenn man aber neuere Ergebnisse der Hirnforschung anwendet, gelangt man zu dem Schluss, dass Jungen und junge Männer durch hirnphysiologische und hormonelle Dispositionen besonders auf Aktivität, Selbstbehauptung, Durchsetzung und Konkurrenz orientiert werden. Diese Anlagen können kreativ oder destruktiv verarbeitet werden. Sie von vornherein zu negieren, käme Unterdrückungsstrukturen gleich. D.h. Familie, Schule und Öffentlichkeit braucht eine Akzeptanz dieser Anlagen, Jungen und junge Männer brauchen Modelle für einen kreativen Umgang mit Aktivität, Aggression, Durchsetzung, es müssen Räume (tatsächliche und Erfahrungsräume) und Männlichkeit zur Verfügung gestellt werden wenn eine Unterstützung von Männlichkeit gelingen soll.

... hinsichtlich der Gruppe

Das Seminar fand mit einer 5a der Gutenbergschule (Regionalschule) statt. Es war eingebunden in das Gesamtprojekt „Nu pogodi“- vielfältige Präventionsansätze mit einer Klasse der Gutenbergschule (siehe Presse). An dieser Schule gibt es einen hohen Prozentsatz Kinder von anderen Nationalitäten. Bei den 13 Jungen der Klasse 5a waren drei mit Migrationshintergrund. Die Klasse ist vor einem Jahr aus zwei verschiedenen Klassen zusammengelegt worden. Individuelle Konflikte wurden im Projektverlauf deutlich und konnten z.T. bearbeitet werden.
 
2. Ziele der Veranstaltung

Die Jungen sollen über Übung, Training, Kommunikation und Gruppenregeln einen Zugang zu ihren Erfahrungen und Fähigkeiten erlangen. So verstehen wir Prävention und die Einbindung in das Gesamtprojekt: Über Selbstbild, Erhöhung eigener Entscheidungs-kompetenz und Begleitung männlicher Identitätsbildung werden individuelle und soziale Entwicklung vorangetrieben. Das Seminar selbst hat zum Ziel:
 
inhaltlich ...
  • die Umwandlung von zielloser Energie in gerichtete Kraft,
  • die Öffnung von Jungen hinsichtlich ihrer Erfahrungen von Gewalt und Verletzung,
  • die außergewöhnliche Erfahrung, dass jeder seine Kraft bis zum letzten zeigen und spüren kann
 
methodisch ...
  • die Jungen in ihren Bedürfnissen ernst nehmen
  • die Gruppe herausfordern, neue Erfahrungen zu machen ohne zu diffamieren
  • Mentor sein: lehrend, offen und konsequent
 
sozial ...
  • die selbst kreierte Eigenverantwortung und die Verantwortung für die Gruppe
  • der Sinn von Regeln in Auseinandersetzungen, Konflikten und im Alltag
  • sinnvolle Kommunikation
  • Sensibilität für Personen, Umgebung und Material

3. Umsetzung und Durchführung der Veranstaltung

Der Ablauf des Seminars ist zusammengefasst im Anhang beschrieben.
 
- Der inhaltliche und methodische Ablauf des Seminars wurde von den Teamern in der Ausbildung Box-Instructor ® differenziert erarbeitet. Mit inhaltlichen, gruppendynamischen und Selbsterfahrungsanteilen wurden die Teamer für die Durchführung vorbereitet.

- Die Teamer, die sich als Mentoren verstehen, versuchen ständig in Kontakt mit jedem einzelnen Jungen zu kommen, ihn mit Herausforderungen und Haltungen zu konfrontieren und die Balance der Gruppe dabei zu halten.

- In der Einheit der Verbalisierung von Erfahrungen mit Aggression wurde deutlich wie ungewohnt für Jungen diese Form der Reflexion ist.

- Die Energie der Jungen geht natürlicherweise von Anfang an auf die Kampfsituation. Voraussetzungen dafür sind aber: die Reflexion eigener Erfahrungen, das Aufstellen von Regeln bzw. Konsequenzen und das Erlernen von Techniken des Boxens.

- Leider ist es uns nicht gelungen die Boxhalle des Schweriner SC zu nutzen wie es geplant war. Durch kurzfristige Absage des SC mussten wir in das Jugendhaus Dr. K. ausweichen. Die Arbeitsbedingungen für das Jungenseminar waren dennoch gegeben.

- Es gab einen Jungen, der sich zeitweise der Kampfsituation verweigert hat.
 
 
4. Auswertung der Veranstaltung

In der Auswertung mit den Teilnehmern wurde deutlich, dass diese Art von Seminar einen besonderen Wert für die Jungen aufweist:  Sie erfahren ihre Stärke auf verschiedene Ebenen. Sie erfahren die Gruppe als schützendes, als regulierendes und herausforderndes Element. Sie erfahren Anerkennung von erwachsenen Männern. Sie werden mit eigenen Tiefen und Stärken konfrontiert und gewinnen dadurch zentrale Begriffe von sich selbst, die sie weiterführen.
 
 
5. Schlussfolgerungen aus der Veranstaltung
 
Konzeptionsbezogen:

- Für diese Altersgruppe kann eine methodische Unterstützung für die Reflexionseinheit überlegt werden.
- Die Integration auch der Jungen, die sich dem Boxen verweigern muss zukünftig gelingen.
 
Jugendpolitisch:

- Die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule kann in Hinsicht auf Jungenarbeit intensiviert werden, da Schule weder ausreichende personelle noch sächliche Ressourcen hat, diese besonderen Erfahrungen zu vermitteln.
 
Gesellschaftspolitisch:

- Den konzeptionellen Inhalten, die sich Körperlichkeit, Energie und Risiko zuwenden wird m.E. misstrauisch begegnet, weil der Verdacht besteht, den Jungen erst recht Aggression „einzupflanzen“. Wenn der gesamte Prozess des Seminars betrachtet wird, wird deutlich, dass das Bild des aggressiven männlichen Jugendlichen eine Zuschreibung ist, die Akzeptanz und Annahme eher verhindert. Nicht zuletzt durch solche Seminare kann auch das Bild von Männlichkeit mit anderen Schwerpunkten ausgestattet werden.   


Verbund für Soziale Projekte e.V. | Schwerin

„Sich durchs Leben boxen“ 8. - 9. Mai 2006 in Kooperation mit Schulsozialarbeit der Gutenbergschule Schwerin und Präventionsabteilung der Polizei

"Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht"

Chinesisches Sprichwort