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Handlungsleitende Prinzipien in teilstationären Einheiten

Erziehung in einer Tagesgruppe soll die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen durch soziales Lernen in der Gruppe, Begleitung der schulischen Förderung und Elternarbeit unterstützen und dadurch den Verbleib in seiner Familie sichern, so die Intention des KJHG in § 32. Mit der Erziehung in einer Tagesgruppe soll eine Alternative zur klassischen Heimerziehung angeboten werden. Die Zielgruppe kommt erfahrungsgemäß aus sozial schwachen Familien, d.h. die Eltern sind meist arbeitslos, perspektivlos und mit ihrer Lebenssituation vollkommen überfordert. Oft kommen die Kinder nach ihrem Schulalltag in unausgeglichene Familiensysteme, werden dadurch großen psychischen Belastungen ausgesetzt und reagieren dann mit emotionalen oder sozialen Ausbrüchen. Sich so verfestigende Verhaltensweisen verstärken noch das Unverständnis bei den direkten Bezugspersonen und forcieren Konflikte. Es entstehen Defizite in bezug auf die Kinder im emotionalen und sozialen Bereich. Diesen, im Alltag entstandenen, destruktiven Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kindern gilt es entgegenzuwirken und einen Freiraum zu schaffen, in dem sich die Eltern-Kind-Beziehungen regenerieren können.

Indikation

Erziehung in Tagesgruppen geht von der Prämisse aus, dass ein gewisser und identifizierbarer Kreis von Personensorgeberechtigten einerseits nicht in der Lage ist, eine am Wohl ihrer Kinder orientierte Erziehung zu gewährleisten, wenn sie ganztägig die Verantwortung für die entsprechenden Kinder haben, andererseits aber durch - zumeist - zeitlich befristete intensive Entlastung bei gleichzeitiger pädagogischer Unterstützung die entsprechenden Kompetenzen (wieder zurück) gewinnen können. Ist dieser Fall gegeben und reicht auch angesichts bereits entstandener oder aufgehäufter Belastung / Störung eine Unterbringung in einem Ganztags-Kindergarten nicht aus, um das Wohl des Kindes wieder herzustellen, dann kann die Betreuung in einer teilstationären Einheit die Maßnahme der Wahl sein.

Elternarbeit

Erziehung in einer Tagesgruppe hat vom Prinzip her die Arbeit mit den Eltern zur (Wieder)Herstellung der Erziehungskompetenz mit gleichem Rang zu erfolgen, wie die Arbeit mit dem Kind. Diese Gleichrangigkeit verstehen wir nicht im Sinne zeitlich gleichen Aufwands, sondern im Sinne systematischer Arbeit an der Aufrechterhaltung bzw. Erweiterung der elterlichen (Selbst)Verantwortung und Erziehungskompetenz. Wo immer jedoch Eltern in die Arbeit einbezogen werden können, wird dies versucht. Daneben trainieren wir mit den Eltern, eine konstruktive Erziehungshaltung einzunehmen und beraten sie in allen fragen, die ihre Rolle als Eltern betreffen. Dazu gehören gelegentlich auch Fragen der Haushaltsführung und des Finanzmanagements.

Diagnostik und geplante Förderung

Die Tagesgruppe ist der alltägliche Raum für die Kinder, an dem Anteilnahme, Versorgung, Pflege, Auseinandersetzung, Therapie, Spiel und emotionale sowie körperliche und intellektuelle Förderung stattfindet. Die Tagesgruppe ist ein Ort, an dem in besonderer Weise Ganzheitlichkeit spürbar wird. Diese Ganzheitlichkeit muss dringend erhalten und gefördert werden, denn sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Kinder nicht aus dem Elternhaus herausgelöst werden, sondern dass alle beteiligten Seiten die Erziehung in der Tagesgruppe als familienergänzend begreifen.

Gleichwohl erfolgt Förderung in den Tagesgruppen des VSP gezielt. Es werden durch Verhaltensbeobachtung, durch enge Rücksprache mit der Schule, durch kollegiale Bewertung die speziellen Förderbereiche identifiziert und individuelle Förderpläne erstellt, die sich - je nach Lage der Dinge - auf intellektuelle, psychomotorische, emotionale oder soziale Aspekte beziehen können. Jedes Kind hat neben dem Hilfeplan, der Voraussetzung für die Hilfegewährung ist, einen solchen individuellen Förderplan und demgemäß eine ganz bestimmte, individuell festzulegende Anzahl an Einzelförderstunden innerhalb der Tagesgruppe.

Neben der Einzelförderung besteht ein Schwerpunkt auch in der Förderung des Sozialverhaltens. Auch diese Förderung geschieht systematisch. Ausgewählte, pädagogisch besonders wertvolle und auf Schlüsselfähigkeiten abzielende Gruppen- oder Kleingruppenspiele werden regelhaft in die Betreuungszeit eingebaut.

Versorgung

Tägliches gemeinschaftliches Essen und ruhiges Zusammensitzen sind Erfahrungen, die viele Kinder in Tagesgruppen aus ihrer Alltagspraxis nicht oder nur selten kennen. In den Tagesgruppen des VSP wird darüber hinaus noch darauf geachtet, dass die notwendigen gesundheitlichen Untersuchungen und Therapien regelmäßig wahrgenommen und durchgehalten werden.

Sicherstellung des schulischen Erfolgs

In der Tagesgruppe ist grundsätzlich ausreichend Zeit zur Verfügung, um die Hausaufgaben unter Anleitung oder durch gegenseitige Unterstützung auf gutem Niveau zu erledigen. Dafür liegen auch die notwendigen Materialien, Bücher und Nachschlagewerke jederzeit griffbereit. Dies ist notwendig, da viele der Tagesgruppen-Kinder schulisch eher ungünstige Positionen einnehmen. Durch die Anleitung in der Tagesgruppe werden Erfolge und damit Selbstvertrauen aufgebaut. Erfolge in der Schule fördern auch das Verlassen von Aussenseiterpositionen.

Freundschaften und Verankerung im sozialen Netzwerk

Einem unerwünschten Nebeneffekt von Erziehung in einer Tagesgruppe - dem Verlust von Freundschaften und "spontanen" Kontakten im oder aus dem regelhaften Umfeld - steuern die Mitarbeiter /-innen der Tagesgruppen des VSP gezielt entgegen. So können beispielsweise nach Anmeldung Freundinnen zu Besuch mit kommen bzw. die Tagesgruppe bietet auch "halboffene" Angebote an (z.B. Puppenspiel, kreatives Arbeiten, Psychomotorisches Training etc.) Hilfreich in dieser Hinsicht ist der Standort der Tagesgruppe, insofern in dem gleichen Hause auch noch andere Angebote für Kinder und Jugendliche beheimatet sind auf die die Kinder der Tagesgruppe nach Erledigung des sonstigen individuellen Förderprogramms orientiert werden.



„Man paßt dahin, wohin man sich sehnt.“

Robert Walser (1878-1956),
schweizer. Schriftsteller