Indikation
Mit der Tatsache, dass Hilfen ambulant angeboten und durchgeführt werden, geht ein Perspektivenwechsel einher. Die Klienten müssen ganz signifikant selbst etwas "wollen" und sich dessen, was sie wollen, auch bewusst sein / werden können. Unfreiwillige Zusammenarbeit ist unter ambulanten Bedingungen nahezu unmöglich, da es beliebig viele Möglichkeiten gibt, sich der Hilfeleistung zu entziehen. Dies bedeutet aber auch, dass die Risiken, denen die Klienten ausgesetzt sind bzw. die sie einzugehen bereit sind, abschätzbar und vergleichsweise gering sein müssen, damit nicht gravierend gegen das Wohl der beteiligten Kinder und Jugendlichen verstoßen wird. Dieser Indikation sind wir vom VSP uns bewusst, wenn wir mit einer ambulanten Maßnahme beginnen.
Vorbehaltlos konstruktiv
Als Professionelle, die in ambulanten Angeboten arbeiten, haben wir eine vorbehaltlos konstruktive Haltung, mit der wir an die Aufgaben herangehen. Konkret wird diese konstruktive Grundhaltung unmittelbar in der gemeinschaftlichen Erarbeitung des Förder- / Betreuungskonzepts auf die Probe gestellt. Gelingt es hier, ein verbindliches Arbeitsbündnis zu etablieren, kann der Arbeit Erfolg beschieden sein, gelingt es nicht, ist sie von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wir versuchen grundsätzlich, den Inhalt des Arbeitsbündnisses gemeinsam in schriftlicher Form zu fixieren.
Sich von dem Klienten "an die Hand nehmen lassen"
Wir lassen uns von den Klienten ambulanter Hilfen "an die Hand" nehmen. Damit ist gemeint, dass zunächst als Vorleistung wir uns auf sie einlassen, bevor sie sich auf uns einlassen (müssen). Wir wissen, dass diese Reihenfolge von Nöten ist, da ansonsten überhaupt kein Arbeitsbündnis zustande kommt. "Sich an die Hand nehmen lassen" bedeutet aber nicht, sich aufzugeben und den Klienten in ihrer Weltsicht zuzustimmen. Ganz im Gegenteil! Es bedeutet nur, die Weltsicht zu akzeptieren und unter Berücksichtigung seiner subjektiven Entstehungsgeschichte ihr eine subjektive Berechtigung zuzusprechen.
Abgrenzung anstatt Verschmelzung
Gerade in ambulanten Betreuungen bemühen wir uns ganz besonders, nicht mit den Klienten zu verschmelzen. Sie müssen jederzeit verspüren, dass sie selbst die Verantwortung für ihr Leben haben / behalten. Wir stellen klar, dass nicht wir für eine konkrete aktuelle Notlage gesorgt haben, sondern, dass die Klienten selbst es waren, die eine Situation zugelassen oder doch zumindest nicht verhindert haben. Wir helfen, Auswege aus dem "Schlamassel" zu finden, aber wir helfen nicht, Schlamassel zu beseitigen.
Veränderungen brauchen viel Zeit - der Professionelle ebensoviel Geduld
Wir wissen und vermitteln, dass Veränderungen, so sie denn überhaupt möglich sind, viel Zeit benötigen. Wir nehmen uns die Zeit und geben sie dem Klienten. Dabei sorgen wir dafür, dass es in ausgewogener Weise Zeiten intensiven Zusammenarbeitens und Zeiten des Reifens gibt. Unsere Ungeduld versuchen wir, vom Klienten fern zu halten und sie statt dessen mit unseren Kollegen zu teilen.
Vertrauen ist gut - Kontrolle unmöglich
Der Umgang mit Vertrauen in ambulanten Maßnahmen ist sehr schwierig. Wir als professionelle Mitarbeiter /-innen des VSP bemühen uns, möglichst wenige Situationen entstehen zu lassen, in denen unser Vertrauen in die Klienten enttäuscht werden kann. Wir verhindern so aktiv eine Belastung der Beziehung durch gebrochenes Versprechen. Ausserdem kontrollieren wir nur die Aspekte, die wir im Auftrag des Klienten kontrollieren sollen. Jede andere Kontrolle droht uns in Verschmelzung zu bringen und verunsichert den klienten in seiner Verantwortung für sein eigenes Leben.